

Bakterien im Trinkwasser: Was jetzt zu tun ist
Ein Abkochgebot im Briefkasten oder eine Meldung der Stadtwerke — das kommt selten vor, aber es kommt vor. Dann gilt: Leitungswasser nicht ungekocht trinken. Was Sie in dieser Situation konkret tun, wie lange Sie abkochen müssen und welche Filter tatsächlich gegen Bakterien helfen, erfahren Sie hier.
Was bedeutet ein Abkochgebot?
Wird bei einer Routinekontrolle eine Verkeimung festgestellt, ordnet das Gesundheitsamt gemeinsam mit dem Wasserversorger ein Abkochgebot an. Sie werden darüber informiert - per Handzettel, über die Website des Versorgers, über Warn-Apps oder Lautsprecherwagen.
Solange das Gebot gilt, sollten Sie Leitungswasser nicht ungekocht verwenden für:
- Trinken und Getränke zubereiten
- Zähneputzen
- Speisen zubereiten und Salat waschen
- Babynahrung
- Eiswürfel
Duschen, Händewaschen und Wäschewaschen sind in der Regel weiter möglich - maßgeblich ist immer die Anweisung Ihres Gesundheitsamts.
Wasser richtig abkochen
Bringen Sie das Wasser zum sprudelnden Kochen und lassen Sie es mindestens drei Minuten kochen. Danach abkühlen lassen und abgedeckt aufbewahren. Ein Wasserkocher, der automatisch abschaltet, sobald das Wasser kocht, reicht nicht aus - er erreicht die Haltezeit nicht.
Abgekochtes Wasser sollten Sie innerhalb von 24 Stunden verbrauchen.
Wichtig zu wissen: Abkochen tötet Bakterien, Viren und Parasiten ab. Es entfernt aber keine Schwermetalle und keine chemischen Rückstände - deren Konzentration steigt durch die Verdampfung sogar leicht an.
Welche Folgen haben Bakterien im Trinkwasser?
Je nach Keim reichen die Beschwerden von Bauchschmerzen und Durchfall bis zu Infektionen. Besonders empfindlich reagieren Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Diese Keime treten am häufigsten auf:
- Escherichia coli (E. coli) — der wichtigste Indikator für fäkale Verunreinigung. Die meisten Stämme sind harmlos, einzelne können schwere Erkrankungen auslösen.
- Enterokokken — ebenfalls ein Indikatorkeim für Verunreinigung.
- Legionellen — vermehren sich in lauwarmem Wasser, vor allem in Warmwasserleitungen und Duschen. Gefährlich beim Einatmen von Wassernebel, nicht beim Trinken.
- Salmonellen und Campylobacter — treten seltener auf, verursachen aber heftige Magen-Darm-Beschwerden.
Hilft ein Wasserfilter gegen Bakterien?
Das ist die entscheidende Frage - und die Antwort ist differenziert:
Eine normale Filterkanne hilft nicht. Filterkannen mit Aktivkohle und Ionenaustauscher sind für Trinkwasser gemacht, das bereits sicher ist. Sie verbessern Geschmack und senken Kalk, halten aber keine Bakterien zurück. Im Gegenteil: In einer überfälligen Kartusche können sich Keime ansiedeln.
Ein Outdoor-Filter hilft. Filter mit Hohlfasermembran - etwa von Katadyn oder Sawyer - halten Bakterien und Parasiten zuverlässig zurück. Sie sind für unbehandeltes Wasser entwickelt und arbeiten ohne Strom. Deshalb gehören sie in jedes Notgepäck.
Ein Tonfilter hilft. Keramik- und Tonfilter halten laut Prüfbericht 99,99 Prozent der E.-coli-Keime zurück.
Gegen Viren wirken nur bestimmte Filter oder die Kombination mit einem chemischen Mittel. Prüfen Sie die Herstellerangaben.
Wie sicher ist deutsches Trinkwasser?
Sehr sicher. Trinkwasser ist in Deutschland das am strengsten kontrollierte Lebensmittel: Die Trinkwasserverordnung schreibt regelmäßige Untersuchungen auf E. coli, Enterokokken und coliforme Keime vor, und die Versorger prüfen engmaschig. Mikrobiologische Beanstandungen sind selten und werden meist innerhalb weniger Tage behoben.
Die häufigere Ursache für Keime liegt ohnehin nicht im Versorgungsnetz, sondern in der Hausinstallation: lange stehendes Wasser in selten genutzten Leitungen, zu niedrig eingestellte Warmwassertemperaturen oder Totleitungen nach einem Umbau.
Was Sie selbst tun können
- Stagnationswasser ablaufen lassen. Nach mehreren Stunden ohne Nutzung das Wasser laufen lassen, bis es merklich kühler wird. Erst dann zum Trinken verwenden.
- Warmwasser ausreichend heiß halten. Mindestens 60 Grad am Speicherausgang — darunter vermehren sich Legionellen.
- Nach dem Urlaub spülen. Alle Zapfstellen einige Minuten laufen lassen, Warm- und Kaltwasser getrennt.
- Filter rechtzeitig wechseln. Ein überfälliger Filter ist selbst eine Keimquelle.
- Für den Notfall vorsorgen. Ein Outdoor-Filter im Haus bedeutet, dass ein Abkochgebot Sie nicht unvorbereitet trifft.
Häufige Fragen
Reicht es, das Wasser kurz aufzukochen?
Nein. Entscheidend ist die Haltezeit von drei Minuten im sprudelnden Zustand. Ein Wasserkocher mit Abschaltautomatik erreicht sie nicht.
Kann ich während eines Abkochgebots duschen?
In der Regel ja. Achten Sie auf die Anweisung Ihres Gesundheitsamts – bei Legionellenbefund kann das anders aussehen, weil dort das Einatmen von Wassernebel das Risiko ist.
Muss ich meine Kaffeemaschine nach einem Abkochgebot reinigen?
Ja. Spülen Sie Wassertank und Leitungen gründlich durch und wechseln Sie den Wasserfilter. Im Tank stand möglicherweise verkeimtes Wasser.
Kaffeemaschine reinigen · Wasserfilter der Kaffeemaschine wechseln
Woran erkenne ich Bakterien im Wasser?
Nicht am Aussehen, nicht am Geruch und nicht am Geschmack. Deshalb sind die Kontrollen der Versorger und die Meldung des Gesundheitsamts der einzige verlässliche Weg.
Hilft Chlor im Leitungswasser?
Deutsche Versorger setzen Chlor nur im Bedarfsfall ein, etwa nach Rohrbrüchen oder bei Beanstandungen. Dann ist es eine Schutzmaßnahme, und der Chlorgeschmack ist unbedenklich. Wer ihn nicht mag, kann ihn mit einem Aktivkohlefilter entfernen – allerdings erst, wenn das Abkochgebot aufgehoben ist.
